
20-Jähriger aus Warnemünde macht sich vom Kinderzimmer aus selbstständig
Jonas Uhlig (20) erarbeitete sich als Kind knapp 75.000 Euro – und verzockte das Geld fast komplett. Mit dem Rest startet der Warnemünder jetzt als Gründer durch.
Grit Steußloff baut sich im Bahnhof in Kröpelin eine Erlebnisbäckerei und Patisserie auf.
Die Gäste sollen ab August dort auch draußen sitzen können.
© Quelle: Cora Meyer
Mit ihrer Erlebnisbäckerei Teiggeflüster im Kröpeliner Bahnhof (Landkreis Rostock) erfüllt sich Grit Steußloff einen Lebenstraum. Dabei setzt sie auf einfache Backweise und moderne Bestellmethoden. Ihr Wissen will sie auch an andere weitergeben.
Kröpelin. „Ich wachse mit meinen Aufgaben“, sagt Grit Steußloff. Und die sind um einiges gewachsen: Die einstige Hobbybäckerin hat sich Stück für Stück eine eigene Existenz aufgebaut – und steht nun kurz vor der Eröffnung der Erlebnisbäckerei und Patisserie Teiggeflüster im Bahnhof in Kröpelin (Landkreis Rostock). Am 2. August um 13 Uhr geht es los.
In Kröpelin fehle vor allem ein Café mit Konditorei. Doch das ist nur ein Teil ihres Angebots. Wenn die passionierte Bäckerin mittwochs bis freitags von 13 bis 18 Uhr und sonntags von 11 bis 18 Uhr öffnet, werden auch Brot und Kleingebäck zu kaufen sein. „Wir wollen auf Bedarf backen.“
In der Erlebnisbäckerei können die Kunden dann dabei zusehen, wie die Backwaren entstehen: Der Blick in die Backstube ist frei und gebacken wird hier tagsüber – auch zum Wohle der Mitarbeiter. „Wir wollen keine Nachtschichten haben, die Leute sollen es mit ihrem Leben verbinden können.“
Bislang hat die Bäckerin 2,5 Mitarbeiter, perspektivisch sollen in der Produktion aber mindestens fünf helfen. „Wir wollen auch Markttage machen und Märkte in der Umgebung besuchen.“
Wichtiger als eine Ausbildung sei, dass die Mitarbeiter Spaß an der Sache hätten. „Das hier ist eine ganz andere Art zu backen als die konventionelle.“ Grit Steußloff arbeitet mit Sauerteig, ohne künstliche Zusätze und Farbstoffe und verwendet Hefe nur in „homöopathischen Dosen“, wie sie sagt. Das bedeutet: mehr Aufwand und längere Garzeiten.
Wie das geht, kann man von ihr lernen: Grit Steußloff gibt in der Erlebnisbäckerei Backkurse.
Mit ihnen fing für die ehemalige Pädagogin alles an. Als Autodidaktin führte sie Hobbybäcker in die Geheimnisse von Sauerteig und Co. ein – so erfolgreich, dass sie selbst Aufträge bekam. Ohne Meisterbrief durfte Grit Steußloff jedoch kein Brot verkaufen. „Außerdem wollte ich meinen Ofen für die Kurse nicht immer rein und raustragen.“
Die Handwerkskammer bewilligte ihr schließlich eine Ausnahme und Grit Steußloff durfte 2022 ihre Fach- und Sachkundeprüfung zur Bäckerin ablegen. 2024 holte sie die für die Konditorei nach. „Das habe ich für die Kröpeliner gemacht.“ Parallel trieb sie den Plan der Erlebnisbäckerei im Bahnhofsgebäude voran. „Im August 2024 begann der Ausbau, Ende Mai wurde sie übergeben.“
Die Erlebnisbäckerei Teiggeflüster soll auch ein Treffpunkt sein. Einmal im Monat plant Grit Steußloff einen Pub-Abend. Außerdem sollen sich Gruppen aus dem Ort hier treffen können. Im hinteren Teil der Bäckerei finden die Backkurse statt, der Raum könne aber auch für Veranstaltungen genutzt werden.
Nicht zuletzt hofft Grit Steußloff, dass sie mit ihrem Café auch andere Frauen motivieren kann, sich eine Unternehmensgründung zuzutrauen. Man müsse natürlich eine gewisse Verrücktheit haben, sagt sie. Und viel Vorbereitung und Planung.
„Alles braucht seine Zeit. Und einige Prozesse kann man einfach nicht beeinflussen.“ Letztendlich gehe es nur mit Unterstützung. „Ich hätte das alleine nie geschafft!“

Jonas Uhlig (20) erarbeitete sich als Kind knapp 75.000 Euro – und verzockte das Geld fast komplett. Mit dem Rest startet der Warnemünder jetzt als Gründer durch.

Mit ihrer Erlebnisbäckerei Teiggeflüster im Kröpeliner Bahnhof (Landkreis Rostock) erfüllt sich Grit Steußloff einen Lebenstraum. Dabei setzt sie auf einfache Backweise und moderne Bestellmethoden. Ihr Wissen will sie auch an andere weitergeben.

Prächtig entwickelt hat sich das junge Unternehmen, das 2024 den Hauptpreis beim OZ-Existenzgründerwettbewerb gewann.